Zitronentart

Ich bin mal gespannt, ob ich es schaffe, diesen Post auch tatsächlich zu bloggen. Es war mit meinem Blog ein bisschen wie mit guten Freunden, bei denen man sich mal wieder melden müsste: Erst verpasst man die nächste Gelegenheitund dann ist irgendwann so viel Zeit verstrichen, dass das schlechte Gewissen zu groß ist. Und mit jedem Facebook-Like habe ich mich mehr geschämt, meinen Blog so verkümmern zu lassen – obwohl es an blogwürdigen Kuchen nicht mangelte. Denn auch wenn man auf meinem Blog nichts davon ahnte, habe ich fleißig weitergebacken. Manchmal nur ein- statt zwei- oder dreimal die Woche, aber selbst, als ich drei Monate zu milchfreier Ernährung verurteilt war (als mein Minimädchen eine Darmentzündung hatte und ich aber nicht abstillen wollte), habe ich Wege und Mittel gefunden, Ida in Betrieb zu nehmen. Ida und mein Minimädchen sind übrigens die besten Freunde: Während Ida Eis für den marito und mich machte, schlief das Minimädchen selig und süß in ihrer culla (Wiege) nebendran. Sobald sie das mit dem Greifen raus hatte, hat sie Ida mit größter Faszination (natürlich unter mütterlicher Aufsicht) selber bedient. Und nun ist sie schon so groß, dass sie sich beim Backen an meinen Beinen hochzieht und so lange an der Backschublade rüttelt, bis ich sie hochnehme, damit sie zuschauen kann. Unser größter Herzenswunsch für ihren Geburtstag ist daher so ein “little helper tower”, wie es ihn (anscheinend nur) in den USA gibt, damit mein Minimädchen immer in der ersten Reihe steht.

Jedenfalls war die Zitronentart, die ich am Freitag gemacht habe, so lecker, dass ich sie nicht ungebloggt lassen kann. Auch wenn es leider keine Bilder aus dem Zubereitungsstadium gibt. Ich weiß zwar, dass die für’s Nachbacken nicht nötig sind, jedoch manchmal einen Anreiz dazu geben. Aber: keine Ausreden mehr (eigentlich müsste ich dringend das Bücherregal kindersicher machen, nachdem das Minimädchen dieses gestern als neue Spielstätte für sich entdeckt hat) , hier ist sie:

Zitronentart solo

Zitronentart

(nach der wundervollen Smitten mit – wie immer – nur weniger Zucker)

Sandteig (sweet tart dough)

(leicht abgewandelt aus: Baking: From My Home To Yours von Dorie Greenspan)

Zumindest für diesen findet ihr Step-by-Step-Bilder hier.

185 g Mehl65 g Puderzucker und 1 Prise Salz in einer Schüssel mischen.

125 g kalte Butter in kleinen Stücken zufügen und mit dem Mixer einarbeiten, bis sich Stücke in der Größe von Haferflocken und Erbsen bilden.

1 ganzes Ei kurz mit dem Mixer unterrühren und gegebenenfalls mit der Hand vorsichtig weitermachen, bis sich die Zutaten vermengt haben. Der Teig ist sehr weich und geschmeidig, ohne jedoch einen zusammenhängenden Teigkloß zu bilden.

Den Teig vorsichtig in eine gefettete Tart- oder Springform drücken, um seine Textur nicht zu zerstören und anschließend mindestens 30 Minuten im Gefrierfach ruhen lassen. Auch wenn ihr die Tart für einen späteren Zeitpunkt vorbereiten wollt, empfehlen Dorie und ich euch, sie direkt in der Kuchenform einzufrieren und dann gegebenenfalls die Backzeit zu verlängern.

Die glänzende Seite eines Stücks Alufolie mit Butter einpinseln und vorsichtig auf den Teig legen. Da der Teig gefroren ist, bedarf es keiner Hülsenfrüchte als Gewichte, um den Boden zu beschweren. Ca. 25 Minuten bei 175°C Umluft backen. Dann die Folie entfernen und weitere 5 Minuten backen, bis der Boden goldbraun ist. Mutig und ungeduldig wie ich bin, habe ich den Boden natürlich nicht vorgebacken (für so was ist mit Kind wirklich keine Zeit mehr), sondern sie direkt nach dem Einfrieren mit der Füllung zusammen gebacken. Dadurch ist der Teig so wie wir ihn mögen, nämlich etwas weicher. Wer ihn knuspriger mag, sollte vorbildlich vorbacken.

Zitronenfüllung

1 Zitrone (von ungefähr 130g – nur ein Richtwert, aber nachdem das sizilianische Exemplar, das ich erst in der Hand hatte, diesen um gute hundert Gramm überboten hat, vielleicht nicht ganz unberechtigt) waschen und in dünne Scheiben schneiden. Kerne entfernen und die Scheiben mit 200 g Zucker und 115 g Butter in Stücken in einem Standmixer oder mit dem Pürierstab zu einer homogenen Masse verarbeiten. Dann noch 4 Eier, 2 tbsp (14 g) Speisestärke und 1 Prise Salz dazugeben und mixen, bis die Masse  eine homogene (flüssige) Masse entstanden ist.

Diese auf den gefrorenen Tartboden geben und bei 165° C Umluft (mindestens) 30 Minuten backen bis die Füllung beginnt, sich leicht zu bräunen und nur noch ein wenig “wackelt”, wenn man vorsichtig an der Form rüttelt.

Zitronentart mit Erdbeeren

Schmeckt’s?

→ Auf einer Skala von 1 bis 10?

Für mich war die Entdeckung der Zitronentart eine Offenbarung. So viel Zitron in einem Kuchen! Und die Konsistenz der Füllung! Dem marito ist sie sieben bis acht Punkte wert. Warum? Weil er Zitronen weniger zu schätzen weiß als ich und die Tart für ihn daher eigentlich zu unspektakulär ist.  Aber immerhin ist sie gut genug, als dass sie am Ende des Wochenendes fast weg ist (ohne das wir andere Abnehmer gehabt hätten).

→ Was gibt’s auszusetzen?

Gegen die vermeintliche Schlichtheit der Tart helfen jegliche Art von Beeren als Beilage oder Draufgabe. Auch gegen ihr zugegebenermaßen nicht ganz attraktives Erscheinungsbild.

Schlimmer ist tatsächlich die gummiähnliche Konsistenz der Füllung, die sich einstellt, wenn man die Tart zu lange backt. Smitten gibt zum Beispiel 35 bis 40 Minuten als Backzeit an, aber nachdem ich das letzte Mal die 30 Minuten überschritten habe und der Großteil des Kuchens daraufhin im Müll gelandet ist, bin ich da eher zurückhaltend und im Zweifel für “underbaked”.

→ Wie stehen die Chancen auf Wiederholung?

Die Zitronentart ist in meiner Küche bereits ein keeper und vor allem dann die erste Wahl, wenn ich am Ende der Wintersaison alle Apfelkuchen durchgebacken habe und noch kein Stein- oder Beerenobst in Sicht ist.

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Zitronen-Himbeer-Torte

Es gibt Grund, zu feiern! Nein, nicht meine Rückkehr in die Blog-Welt, sondern das hier:

Babybauch

Da ich in den letzten Monaten kaum bis gar nicht gebacken habe – und man bedenke es war Weihnachtszeit! – kann Ursache dieses “Bauchansatzes” nur folgende sein:

Poppyseed

Demnächst werde ich also Unterstützung beim Backen haben 😉 Bisher hat mich das Poppyseed (= Mohnsamen, so klein war es, als ich herausgefunden habe, schwanger zu sein – mittlerweile ist es schon zur Größe einer Paprika herangewachsen!) allerdings mehr davon abgehalten. Die ersten drei Monate war mir von morgens bis abends so übel, dass ich mich kaum überwinden konnte, die Küche zu betreten, selbst Rezepte recherchieren fiel komplett aus. Auch wenn die Übelkeit mittlerweile verschwunden ist, ist mein sonst unstillbarer Hunger auf Süßes einem Drang nach Herzhaften gewichen. Ich sag nur “Du weißt, dass du schwanger bist, wenn du alleine(!) zu McDonalds gehst, um Pommes(!) zu essen.” Ohne Milchshake.

Um das Poppyseed zu feiern, musste es jedenfalls diese Woche eine Torte sein. Drunter ging’s nicht. Mit hellem Teig sollte sie sein, denn guten Schokoladenboden backen kann ja jeder. In Deutschland handelt es sich bei hellem Tortenboden in der Regel um Biskuit. Der beeindruckt aber weder den marito noch mich und ist vor allem häufig an der Grenze zu trocken. Schon vor einiger Zeit hatte ich ein Tortenbodenrezept bei epicurious gefunden, das nicht nur mit Öl statt Butter gemacht, sondern auch von der Zubereitung eher einem Muffin- als einem Tortenteig ähnelte und mich damit neugierig gemacht hatte. Das laut Rezept für die Torte vorgesehene Lemon Curd ging zwar in die richtige Richtung (Zitrone statt Schokolade, Creme statt Sahne), war mir aber – um es sowohl als Füllung als auch als Frosting zu verwenden – zu wenig cremig. Denn Lemon Curd wird lediglich aus Zitronensaft,-schale, Eigelb und Butter ähnlich einer Pastry Cream gekocht. Mir kann es zwar gar nicht zitronig genug sein, aber ich wollte die Geschmackstoleranz des maritos nicht überstrapazieren und habe daher Kochsahne (Schmand/Crème fraîche) und Philadelphia zugefügt. Da Zitrone den Kuchen aber für meinen marito noch nicht zu einem Obstkuchen macht und damit die Gefahr birgt, als “langweilig” abgestempelt zu werden, habe ich mich erneut für Himbeeren in der Torte entschieden. Erstens sind Himbeeren und Zitrone eine geschmackssichere Kombination, zweitens eignen sich Himbeeren fantastisch für Torten, da ich sie un- statt mitgebacken viel lieber mag, und drittens musste ich schließlich ausnutzen, dass es sie endlich auch hier tiefgefroren im Lieblingslidl zu kaufen gibt (selbst in Italien ist nämlich mittlerweile die Beerenzeit vorbei). Damit stand der Plan fest und vier Stunden später die Torte im Kühlschrank:

Zitronen-Himbeer-Torte

Zitronencreme

(angelehnt an die Lemon Cream aus:  Baking: From My Home To Yours von Dorie Greenspan)

Die Schale von 3 Zitronen (wer die Wahl hat, nimmt die guten aus Sorrento!) in 1 cup Zucker einarbeiten. Mit einem Schneebesen 4 große Eier und den Saft von 3 Zitronen einrühren.

Eine Metallschüssel in einen großen Topf über (nicht in!) leicht kochendes Wasser hängen und die Zitronencreme darin mit dem Schneebesen so lange schlagen, bis sie dicklich wird. Laut Dorie kann das bis zu zehn Minuten dauern. Ich habe nach vierzehn Minuten aufgegeben, die Creme war zwar etwas angedickt, aber ich fürchte nicht genug (siehe weiter unten). Wer über ein Lebensmittelthermometer verfügt und es schafft, dieses beim Rühren nicht aus der Schüssel zu katapultieren, hat das Ziel erreicht, wenn es 82° C anzeigt. Wichtig ist in jedem Fall, dass die Eier nicht zu heiß werden, da sie sonst gerinnen. Also nicht aufhören, zu rühren, solange die Eier der Hitze ausgesetzt sind. Anschließend die Schüssel aus dem Wasserbad nehmen und die Creme kurz abkühlen lassen.

115 g weiche Butter, 400 g Crème fraîche/Schmand und 200 g Philadelphia unterrühren.

Die Creme mit Plastikfolie abgedeckt mindestens für vier Stunden oder über Nacht im Kühlschrank fest werden lassen.

Zitronencreme

Zitronenboden

(leicht abgewandelt aus: Gourmet, November 2005, zu finden bei epicurious)

312 g Mehl1 tbsp Backpulver1/4 tsp Salz mischen.

1 cup Pflanzenöl und 1 cup Milch mischen.

1 tbsp Zitronenschale in 1 cup Zucker einarbeiten.

Eier kurz aufschlagen den Zitronenzucker einrieseln lassen.

Anschließend abwechselnd die trockenen und die feuchten Zutaten dazugeben und jeweils nur kurz unterrühren, um nicht zu viel Luft in den Teig zu schlagen. Dabei mit den trockenen beginnen und enden.

(Man beachte meine farblich zu Ida passende Schürze!)

Eine Springform (26 cm) mit Planzenöl einfetten, den Boden mit Pergament- oder Backpapier auslegen und ebenfalls einölen.

Den Teig einfüllen, glattstreichen und ca. 35 Minuten bei 175° C Umluft goldbraun backen. Evtl. gegen Ende mit Alufolie abdecken, um zu verhindern, dass er zu dunkel wird.

Anschließend aus der Form nehmen, abkühlen lassen und mithilfe eines möglichst langen und scharfen Messers halbieren.

Zitronenboden halbiert

Auf den abgekühlten unteren Boden einen Teil der Zitronencreme streichen, nach Belieben viele (vorzugsweise frische, andernfalls aufgetaute und abgetropfte) Himbeeren darauf verteilen und mit ein paar Klecksen Zitronencreme und dem oberen Tortenboden bedecken.

Den oberen Tortenboden habe ich gerade abgeschnitten und dann zuerst mit den Himbeeren belegt, um noch genügend Creme zu haben, sie damit zu bedecken und vor dem Schlechtwerden zu schützen – ich hatte nämlich die Zitronencreme nämlich um die Hälfte reduziert und war daher etwas knapp. Mit der vollen Menge sollte sogar noch genügend vorhanden sein, um auch die Seiten zu bestreichen.

Anschließend die Torte für mindestens zwei Stunden in den Kühlschrank, damit sie sich setzen kann.

Zitronen-Himbeer-Torte

Schmeckt’s?

→ Auf einer Skala von 1 bis 10?

Ich vergebe begeisterte 9, der marito männlich zurückhaltende 8 Punkte.

→ Was gibt’s auszusetzen?

Den Punktabzug müsste eigentlich nicht die Torte, sondern ich bekommen. Wie schon angedeutet, habe ich der Zitronencreme entweder nicht ausreichend über dem Wasserbad erhitzt oder bzw. in jedem Fall habe ich ihr nicht die nötige Zeit gegeben, um im Kühlschrank fest zu werden. Mit dem Ergebnis, dass sie noch zu flüssig war und an den Seiten runtergelaufen ist. An ein Verstreichen an den Seiten der Torte wäre also nicht einmal bei ausreichender Menge zu denken gewesen.

Mit der geschmacklichen Zusammensetzung der Zitronencreme war ich zwar an sich zufrieden, aber ich könnte mir vorstellen, das nächste Mal auf Butter und Crème fraîche/Schmand zu verzichten und nur Philadelphia zuzufügen. Dorie beschränkt sich übrigens auf die Zugabe von Butter (also ähnlich wie bei einer Lemon Curd). Da ich die Creme aber nicht nur zum Füllen, sondern auch zum Verzieren der Torte verwenden wollte, habe ich die üblichen Zutaten von “Frosting” und “Filling” einfach gemixt.

→ Wie stehen die Chancen auf Wiederholung?

Sehr gut. Die Suche nach dem perfekten hellen Tortenboden ist hiermit erfolgreich beendet! Gegebenenfalls würde der Boden natürlich auch ohne Zitrone funktionieren. Er ist ohne Tücken zuzubereiten und wunderbar saftig – auch noch nach drei Tagen Kühlschrankaufenthalt. Die Creme wird dank der Himbeeren mit jedem Tag rosiger und schmeckt frisch zitronig, ohne den marito zu verschrecken. Ebenso gut würde natürlich eine Vanillecremefüllung passen. Zum Beispiel in Verbindung mit Erdbeeren. Den Kombinationsmöglichkeiten sind also keine Grenzen gesetzt.

Apfelpiekuchen

Auch wenn ich meinen Blog letzte Woche zugunsten eines MädelsWochenendes in Mannheim vernachlässigt habe, habe ich den marito natürlich nicht ohne Kuchen zurückgelassen. Gegen die Sehnsucht gab es seinen Lieblingsapfelkuchen, der zu neunzig Prozent aus Äpfeln und gerade soviel Teig besteht, dass man ihn Kuchen nennen kann. Letzterer ist allerdings kein klassischer Pie-Teig, sondern erinnert eher an Butterplätzchen und in Anbetracht von zehn Äpfeln bedarf es statt einer Pie- auch einer Springform. Das ursprüngliche Rezept sieht NATÜRLICH Zimt für die Apfelfüllung vor (gibt es eine naheliegendere Kombination von Obst und Gewürz?), der dem marito bei diesem Kuchen aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht verborgen geblieben wäre, so dass ich NATÜRLICH darauf verzichtet habe. Fairerweise sollte ich anmerken, dass der marito ebenso auf die Rosinen in der Füllung verzichtet hat – meinetwegen.

Apfelpiekuchen

(leicht abgewandelt aus: Baking: From My Home To Yours von Dorie Greenspan)

230 g Butter (Raumtemperatur) mit 3/4 cup Zucker und 1 Päckchen Vanillezucker ca. 2 Minuten cremig rühren.

2 große Eier zufügen und 3 Minuten weiterrühren.

Den Saft einer Zitrone zufügen und nicht irritiert sein, wenn der Teig “gerinnt”.

435 g Mehl mit 1 tbsp Backpulver mischen und mit einem Mal unterrühren.

Der Teig ist sehr weich und sollte sich (annähernd) vom Schüsselrand lösen. In 2/3 und 1/3 teilen und flachgedrückt in Klarsichtfolie mindestens für 2 Stunden bis maximal 3 Tage im Kühlschrank ruhen lassen. Für eine längere Vorbereitungszeit kann der Teig auch bis zu 2 Monate eingefroren werden, dann sollte man ihn vor der Weiterverarbeitung über Nacht im Kühlschrank auftauen lassen.

In der Zwischenzeit 10 Äpfel schälen, in Scheiben schneiden und mit Zitronensaft mischen, damit sie nicht braun werden. Als Ausgleich noch 1/4 cup Zucker unterrühren. Nach Belieben Zimt und Rosinen zugeben.

Den 2/3 Teig zwischen Klarsichtfolie ausrollen und in eine gefettete Springform drücken, dabei den Rand ganz hoch ziehen. Die Apfelfüllung hineingeben. Ebenfalls den 1/3 Teig ausrollen, obenauf legen, Überhang abschneiden und an den Rändern vorsichtig zusammendrücken. Den übrig gebliebenen Teig steche ich immer mit Plätzchenförmchen aus und dekoriere damit den Teigdeckel. Außerdem mit einem spitzen Messer 6 bis 8 kleine Schlitze in den Teig schneiden, damit die Apfelfüllung Platz zum kochen hat.

50 bis 60 Minuten bei 175° C backen, bis der Teig goldbraun ist und die Apfelfüllung durch die Schlitze blubbert. Gegebenenfalls die Oberfläche mit Alufolie gegen Ende abdecken. Den Kuchen anschließend auf Raumtemperatur abkühlen lassen, bevor ihr ihn aus der Form nehmt.

Schmeckt’s?

→ Auf einer Skala von 1 bis 10?

10 Punkte vom marito, 8 von mir.

→ Was gibt’s auszusetzen?

Ich liebe den Teig: weicher und dicker als sonstiger Mürbeteig und nicht so knusprig wie Pie-Teig. Aber für die volle Begeisterung fehlt mir bei diesem Apfelkuchen angesichts seiner Schlichtheit der Zimt. Oder das Marzipan. Aber der marito würde mir mehr fehlen…

→ Wie stehen die Chancen auf Wiederholung?

Jährlich gut. Ein Apfelkuchen für vermeintliche Kuchenverweigerer, der sich noch dazu tagelang (im Kühlschrank) hält (vor dem Verzehr jedoch auf Zimmertemperatur bringen). Außerdem hinterlässt er in Anbetracht seiner Ausmaße und Dekoration(smöglichkeiten) Eindruck auf der Kaffeetafel. Für’s Dessert würde ich dazu Vanilleeis selber machen und den Kuchen kurz (in Alufolie) im Backofen (mangels Mikrowelle) erwärmen: Damit würde der Kuchen auch in meiner Gunst um mindestens 2 Punkte steigen.

Zerknitterte Zitronenkekse

Backen ist das eine, Basteln das andere. Ich gebe zu, dass ich sogar meine Studentenwohnung weihnachtlich dekoriert habe – und sei es am 4. Advent – aber erstens ist Weihnachten eine Ausnahme und zweitens habe ich dazu ausschließlich gekauftes Dekomaterial verwendet. Dann kam die Hochzeit und ich entdeckte meine Begeisterung für DIY(= do it yourself – falls jemand nicht im Thema sein sollte)-Projekte. Angefangen bei harmlosen Satinbänder in den Bäumen über Mangokompott mit gestickten Namensdeckchen bis zum selbstgebastelten Gästestammbaum:

Aber als Braut darf man sowas. Jeder weiß, dass Bräute dazu neigen, etwas zu übertreiben. Heute allerdings habe ich unterwegs mit dem Fahrrad angehalten, um Kastanien, die auf der Straße lagen, aufzusammeln. Als Deko für den Esstisch. Ich war übrigens gerade auf dem Weg in die Stadt, um Farbe zu kaufen, mit der ich die Quasi-Tannenzapfen, die ich bei uns in der Einfahrt gefunden habe, ansprühen will. Und Sonntag beim Joggen am Adige  habe ich die ganze Zeit Ausschau gehalten nach Eicheln und diesen Sträuchern mit den roten Beeren. Nebenwirkungen des Hausfrauendaseins? Alterserscheinungen? Denn eigentlich würde ich mich nicht mal als besonders kreativ bezeichnen. Zumindest nicht im dekorativen Sinne. Etwas zufällig anordnen? Mit meinem Bedürfnis nach Symmetrie nicht möglich (wie man auf dem Bild mit den Pflaumen beim letzten Mal unschwer erkennen konnte). Auch mein Farbsinn ist eher eigenwillig: Solange sie innerhalb einer Farbfamilie bleibt, ist bei mir jede Kombination möglich – insbesondere wenn es sich um türkis handelt. Der marito trägt übrigens eine nicht ganz unwesentliche Mitschuld: Er findet meine dekorativen Aktivitäten nämlich auch noch gut. Und nicht nur, weil ich damit beschäftigt bin.

Geschenke werden allerdings weiterhin gebacken statt gebastelt, versprochen – ihr müsst also keine Angst vor Fensterbildern zu Weihnachten haben. Nachdem Kuchen im Glas die Versandkosten in die Höhe getrieben hat, bin ich mittlerweile zum Keksversand übergegangen: Danish Butter Cookies für meinen Vater, Sablés für meine Schwiegermutter, Hinbaersnitter für meinen Neffen. Und für eine liebe Freundin, die meine Begeisterung für Zitronen teilt, konnte ich endlich diese wunderbaren zerknitterten Zitronenkekse ausprobieren:

Zerknitterte Zitronenkekse

(leicht abgewandelt nach Laura Brennan, die mit diesem Rezept den Cookie Recipe Contest der LDS Living gewonnen hat, ein “Verein”, der mir abgesehen von seinem Kekssachverstand etwas suspekt erscheint)

In einer kleinen Schüssel (mindestens) 2 tbsp abgeriebener Zitronenschale und 1 tbsp Zitronensaft mit Hilfe eines Stößels in 3/4 cup Zucker einarbeiten.

Mit 1 Päckchen Vanillezucker zu 115 g weicher Butter in eine große Schüssel geben und sehr cremig rühren (light and fluffy, wie die Amerikaner so schön sagen).

1 Ei unterrühren.

187 g Mehl1/4 tsp Backpulver1/8 tsp Natron und 1/4 tsp Salz in einem Messbecher mit dem Schneebesen vermischen und auf einmal zufügen. Langsam und vorsichtig nur so lange unterrühren, bis sich die Zutaten miteinander vermengt haben.

Der Teig hat eine nie gesehene, wunderbare samtige Konsistenz. Allein der Gedanke daran, dass die Kekse nicht für mich bestimmt waren, konnte mich davon abhalten, ihn in diesem Zustand mehr als nötig zu probieren (als verantwortungsbewusste Bäckerin ist es meiner Meinung nach unerlässlich, den Teig in regelmäßigen Abständen zu probieren).

Puderzucker auf einem (tiefen) Teller verteilen. Mit einem Löffel etwas Teig abnehmen, ihn ansatzweise in die Form einer Kugel bringen (bei der Teigkonsistenz schwierig, aber für die Qualität der Kekse auch nicht entscheidend), im Puderzucker wälzen und auf das gefettete oder mit Backpapier ausgelegte Blech setzen. Dabei Abstand halten. Stellt euch darauf ein, dass es etwas messy (noch so ein klangschönes Wort der Amerikaner) zugeht, aber verzweifelt nicht: Die Kekse sind weder auf Uniformität noch auf ein perfektes Erscheinungsbild angelegt.

Die Kekse unter Aufsicht zwischen 8 bis 12 Minuten bei 175° Grad backen. Wie bei allen “cookies” gilt auch hier do not overbake! da die Kekse noch nachbacken, wenn man sie aus dem Ofen nimmt. Daher auch mindestens 5 Minuten auf dem Blech auskühlen lassen. Im Originalrezept heißt es, dass die Kekse fertig seien, wenn sie “matte “und nicht mehr “melty or shiny” aussehen. Meiner Erfahrung nach außerdem spätestens dann, wenn die Unterseite anfängt, braun zu werden. Mir fällt es immer wieder schwer, die Kekse aus dem Ofen zu nehmen, solange sie noch unfertig aussehen, was dazu führt, dass regelmäßig ein Blech overbaked ist. Damit sind die Kekse zwar nicht ungenießbar, aber eben nicht mehr “chewy” – für mich die wichtigste Eigenschaft von guten cookies. Entschuldigt die englischen Ausdrücke, ich finde nur keine passenden Übersetzungen dafür. Leo kenn “chewy” zum Beispiel nicht mal, Pons übersetzt es mit klebrig, was ich wenig treffend finde. Daher sind “chewy”, “melty”, “messy” und Co in meinen aktiven Wortschatz übergegangen, zumal ich sie lautmalerisch leicht verständlich finde.

Schmeckt’s?

→ Auf einer Skala von 1 bis 10?

Mangels ausreichendem Testmaterial: eine unsichere 8 bis 9.

→ Was gibt’s auszusetzen?

Nachdem ich es diesmal geschafft hatte, dass Backblech rechtzeitig aus dem Ofen zu ziehen, war ich mit Geschmack und Konsistenz der Kekse sehr zufrieden. Insbesondere die Zitrone war deutlich rauszuschmecken. Nach Ansicht meiner beschenkte Freundin hätten sie aber noch zitroniger sein dürfen. Kann es sein, dass das Aroma verfliegt? Beim nächsten Mal werde ich auf jeden Fall noch mutiger ein und 3 tbsp Zitronenschale zugeben (im Original war sogar nur 1 tbsp vorgesehen). Mit der Menge des Zitronensaftes würde ich dagegen nicht experimentieren, da es die Teigkonsistenz beeinflussen würde. Allerdings dürften die Kekse für meine Vorstellung von cookies noch etwas flacher sein, also etwas mehr zerlaufen beim Backen und – wenn wir schon dabei sind – außen auch etwas knuspriger. Außen knusprig, innen chewy – das ist das Ziel.

→ Wie stehen die Chancen auf Wiederholung?

Ich warte nur auf die passende Gelegenheit. Dem marito muss ich mit Zitronenkeksen nämlich nicht kommen. Er würde fragen, warum ich denn nicht die chewy chocolate chip cookies gemacht habe *seufz*.  Allerdings hat er insofern recht, als dass die chewy chocolate chip cookies unschlagbar gut sind – das bestätigte auch meine Freundin, die den direkten Vergleich hatte. Bevor sie auf den Blog kommen, bedürfen sie aber noch eines weiteren Testlaufs – mein marito kann sich also schon mal vorfreuen.

Haselnusstart mit Zwetschgen

Ich könnte es einfach laufen lassen. Bis zum Happy End. Aber zum Glück kenne ich meine Schwächen und habe nicht “alles abspielen” gewählt, als ich die Grey’s Anatomy-DVD eingelegt habe, sondern vernünftigerweise “Episodenauswahl” gedrückt. Seitdem habe ich nebenbei gegessen (obwohl das ernährungstechnisch hochgradig unvernünftig ist), versucht meinen Rückstand bei foodgawker aufzuholen, sechs Gläser Marmelade von den letzten Pfirsichen dieses Sommers gekocht, und bin schließlich wieder bei foodgawker gelandet. Was dem marito zur Zeit seine Siedler-App ist, ist mir foodgawker. Und Grey’s Anatomoy. Eigentlich waren die DVDs ja nur zur Sportuntermalung gedachtm aber mittlerweile finde ich immer mehr Ausreden, Meredith und Derek in unser Wohnzimmer einzuladen. Und sei es, weil das italienische Fernsehprogramm unzumutbar ist. Backen ist gerade keine Alternative, dafür bin ich zu müde. Aber ich kämpfe tapfer gegen die Müdigkeit an – mit Cappuccino und Grey’s Anatomy – nur, um euch von meiner neuesten Entdeckung zu berichten. Ich muss zugeben, diese Entdeckung eigentlich schon letztes Jahr gemacht zu haben, und bereue es aufrichtig, sie erst am Ende der Saison in die Produktion umgesetzt zu haben. Dafür gibt es wirklich keine Ausreden.

Haselnusstart mit Pflaumen

(nach Smitten)

Als erstes 50 g gemahlene Haselnüsse in einer beschichteten Pfanne ohne Fett auf niedriger Flamme/Stufe rösten. Tut mir den Gefallen. Der Duft, der sich dabei in der Küche verbreitet, ist ein Vorgeschmack darauf, wie sich das Haselnussaroma in der Tart ausbreiten wird.

Nachdem die Haselnüsse etwas abgekühlt sind, mit 188 g Mehl1/3 cup weißem Zucker1/3 cup braunem Zucker1/4 tsp Salz  und 1/4 tsp Zimt vermischen (auch wenn unter den Kuchenessern solche sind, die (behaupten) kein Zimt zu mögen – der marito hat es jedenfalls nicht rausgeschmeckt, also psst!) .

173 g Butter – auf Raumtemperatur und in kleinen Würfeln geschnitten – dazugeben und nur so lange verrühren, bis sich die Zutaten zu Streuseln vermengen.

1 1/2 cups davon abnehmen und für die Streusel beiseite stellen. Den Rest in eine gefettete Tart- oder Springform drücken. Smitten benutzt dafür übrigens die cups – guter Tipp.

So, wer will, kann den Teig jetzt ca. 15 Minuten bei 175° C vorbacken. Nachdem Smitten davor gewarnt hatte, dass er dazu neigen würde, am Rand zu trocken zu werden, habe ich ihn lieber in den Gefrierschrank statt in den Backofen geschoben, während ich die Füllung vorbereitet habe.

Die Zwetschgen vierteln oder achteln und auf dem (ausgekühlten) Tartboden verteilen (für alle, die jetzt erst zugeschaltet haben: Wer es nicht abwarten kann, riskiert lediglich einen weichen bis feuchten Boden).

In einer Schüssel 1 Tbsp Mehl, 1/4 Tsp Salz und 1/4 cup Zucker mischen.1 leicht aufgeschlagenes Ei, 1 Eigelb, 1/4 cup Milch und 1/3 cup Mascarpone (Smitten hat Sahne verwendet – abgesehen davon, dass ich Mascarpone Sahne fast immer vorziehen würde, fand ich die Kombination von Zwetschgen mit Frischkäse verlockend) mit einem Schneebesen verrühren und über die Zwetschen gießen.

Einfach so, ohne Vorkochen. Ich hab zweimal nachgelesen und dann nur noch schnell die Streusel über der Tart verteilt, bevor es für sie für 35 bis 45 Minuten bei 175° C in den Backofen ging, bis die Füllung sich gesetzt hatte und die Streusel goldbraun waren.

Schmeckt’s?

→ Auf einer Skala von 1 bis 10?

Sowohl für den marito als auch für mich war es Liebe mit dem ersten Bissen, was bei mir eine 10 bedeutet, beim marito eine männlich-berechnende 9 (man weiß ja nie, was noch kommt…).

→ Was gibt’s auszusetzen?

Vom marito weder den Zimt noch die puddingähnliche Füllung. Das kann nur heißen, dass sowohl deren Menge als auch die Gesamtkomposition gestimmt hat. Haselnuss und eine Spur von Zimt, Zwetschgen, die von einer Vanillepudding-Mascarpone-Creme umhüllt werden und das ganze gekrönt mit Streuseln! Ich tue mich schwer, etwas daran auszusetzen. Nun ja, nachdem ich das Vorbacken unterlassen hatte, war das Servieren etwas schwierig, weil der Boden aufgrund der Füllung und der Zwetschgen wirklich sehr weich war. Für den marito damit genau richtig. Wer seine Schwiegermutter mit einem perfekten Tartboden beeindrucken möchte, sollte sich aber vielleicht doch zum Vorbacken durchringen. Zudem war die für den Boden von mir zugedachte Teigmenge sehr knapp, da ich auf keinen Fall Gefahr laufen wollte, zu wenig für die Streusel zu haben. Denkbar wäre daher auch, die anderthalbfache Teigmenge zu machen oder eine kleinere Form zu nehmen.

→ Wie stehen die Chancen auf Wiederholung?

Die Suche nach DEM Zwetschgenkuchen-Rezept ist für mich beendet. Hier ist es! Was mich neben dem Geschmack vor allem überzeugt hat, war die Schnelligkeit, mit der die Tart zubereitet war. Boden und Streusel aus einem Teig, die Zwetschgen müssen nicht einmal hübsch angeordnet werden, weil sie eh unter den Streuseln verschwinden und die Füllung lässt sich kurzerhand mit dem Schneebesen zusammenrühren. Damit war die Tart trotz “vier Ebenen” in weniger als einer Stunde im Backofen – das nenne ich perfektes Kuchenglück!